Rezension: Hammer & Anvil (Sisters of Battle 2)

Heute möchte ich kurz über den Roman Hammer & Anvil (Hammer & Amboss) von James Swallow schreiben.

Der Roman erschien 2011 anläßlich des leicht unglücklichen White Dwarf-Codex zu den Sisters of Battle. Er bildet gemeinsam mit dem Vorgängerband Faith & Fire  (hier meine Rezension) und dem Audiodrama Red & Black eine lose verknüpfte „Trilogie“ rund um die Töchter des Imperators, den Adeptus Sororitas.

Wir befinden uns einige Jahre nach den Ereignissen von Faith & Fire. Die ehemalige Celestia Elohim Miriya wurde nach den Ereignissen auf dem Planeten Neva zum Dienst als einer gewöhnlichen Kampfschwester degradiert. Gemeinsam mit den beiden Überlebenden ihres Trupps, Cassandra und Isabel, die freiwillig ebenfalls wieder zu gewöhnlichen Schwestern geworden sind, hatte sie am Ende des Romans die junge Schwester Verity Catena zu einem Außenposten des Imperiums begleitet.

Wir schreiben aber auch das Jahr 12 nach dem Überfall auf den Außenposten 101 des Ordens der Heiligen Märtyrerin. Bei dem Überfall damals kamen alle Schwestern des Konvents ums Leben. Die Angreifer von damals sind den Schwestern nicht offiziell bekannt, aber inoffiziell wissen alle, es waren die Necrons, ihr erster bekannter Überfall auf einen Planeten des Imperiums.

Während dieser Zeit war es den Schwestern vom Ordern der Heiligen Märtyrerin verboten, den Planeten zu betreten und ihre gefallenen Mitschwestern zu beerdigen. Stattdessen  hatten hier die Inquisitoren vom Ordo Xenos und der Adeptus Mechanicus das Sagen. Es kostete der Sororitas einige Zugeständnisse, die Erlaubnis zur Rückkehr auf den Planeten zu erhalten. So mussten sie auf die Leichen der gefallenen Schwestern verzichten und zustimmen, dass eine Gruppe vom Adeptus Mechanicus die Expedition zum Heiligtum begleitet. Doch der Principalis Sepherina ist alles Recht, sofern der Konvent nur wiederbesiedelt werden kann. Denn für den Orden der Heiligen Märtyrerin steht zuviel auf dem Spiel.

Miriya und Verity gehören zur Expedition der Sororitas, die den Konvent 101 wiederaufbauen und neu besiedeln soll. Beide sehen darin eine Möglichkeit, ihren Glauben zu erneuern, der durch die Ereignisse in Faith & Fire erschüttert wurde.

Aber was zunächst nach der friedlichen Wiederbesiedlung eines Konvents auf einem verlassenen Planeten aussieht, entpuppt sich rasch als ein Albtraum, der außer Kontrolle gerät. Zuerst verschwinden die Mitglieder des Adeptus Mechanicus unter ihrem Quaestor Tegas.

Und da ist dann noch eine seltsame Kreatur namens „die Beobachtete“ (the Watched). Um wen handelt es sich? Und warum gelingt es diesem Wesen, scheinbar mühelos im Konvent ein und aus zu gehen?

Doch beide Probleme treten in den Hintergrund, als sich herausstellt, dass die Necrons mitnichten vom Planten verschwunden sind, wie man den Schwestern erzählt hatte… und sie haben auch diesmal nicht vor,  die Schwestern am Leben zu lassen…

 

[spoiler]Natürlich ist ein so „unwichtiger“ Planeten wie Heiligtum 101  in Wirklichkeit alles andere als das. Und so haben alle hier beteiligte Fraktionen ihre eigenen Pläne…
Für die Sororitas ist es weniger die Wiedererrichtung des Heiligtums, um die es geht – beim Sturm der Necrons auf den Außenposten ging auch eine der wichtigsten Reliquien des Ordens der Heiligen Märtyrerin verloren, nämlich die namensgebende Handschrift Hammer & Anvil. Sie wiederzubeschaffen ist ein Ziel, das dem Orden wichtiger ist als alles andere. Hinzu kommt noch das persönliche Gefühl der Principalis Sepherina, versagt zu haben – sie gehörte eigentlich zu den Schwestern des Heiligtums 101 und hatte den Planeten nur kurz vor dem Überfall verlassen.
Der Adeptus Mechanicus – und mit ihm auch die Inquisition – würde dagegen am Liebsten die Sororitas gänzlich vom Planeten vertreiben. Ihnen geht es um neues Wissen zu den Necrons. Der Lord Quaestor Tegas und seine Mitarbeiter wissen nicht nur, dass es die Necrons waren, die vor 12 Jahren den Konvent überfielen  – der Adeptus betreibt auch ein geheimes Forschungslabor auf dem Planeten, der heimlich Artefakte der Necrons untersucht.
Die Necrons selbst befinden sich im Prozeß, ein großes Weltentor zu reparieren, das sich auf einem Mond befindet, der um das Heiligtum 101 kreist. Mit seiner Hilfe wäre der Sturmherr Imotekh in der Lage, das heilige Terra direkt mit seinen Truppen anzugreifen. Mit der Reparatur ist der Kryptek Ossuar beauftragt, der sich sehr für die Menschen auf dem Planeten interessiert und sie deswegen all die Jahre nahezu ungestört gewähren ließ. Doch jetzt ist der Militärbefehlshaber der Necrons auf dem Planeten, Khaygis, erwacht – und er hat nicht vor, die Anwesenheit von Menschen auf dem Planeten weiter zu dulden.
Eines der Experimente Ossuars ist schließlich die einzige überlebende Schwester des Konvents, Decima. Infolge der Experimente hat diese zwar fast ihren Verstand verloren – trotzdem gelingt ihr die Flucht aus dem Hauptquartier der Necons. [/spoiler]

 

Fazit: Hammer & Anvil ist vielleicht nicht der tiefschürfendste Roman aller Zeiten, aber er ist schon sehr, sehr gut und um Meilen besser als sein Vorgänger, Faith & Fire. Zwar ist auch hier der Plot nicht unbedingt genial, aber er ist solide, die Actionszenen sind packend, die Charaktere entwickelt genug, um Spaß zu machen.

Es tut dem Roman gut, dass neben den Schwestern auch der Adeptus Mechanicus und die Necrons so große Rollen spielen. James Swallow hat ein Händchen für die Beschreibung der Technik im Warhammer-Universum und hier kann er seine Stärken voll ausspielen. Die Szenen um den Kryptek der Necrons oder im Labor des Mechanicus gehören zu den besten Teilen des Romans.

Aber auch die Sororitas ist deutlich lebendiger dargestellt, als im Vorgängerroman. Die Spiritualität der Schwestern kann zwar immer noch nicht ganz überzeugen und sie benehmen sich immer noch mehr wie Space Marines mit einer Überdosis Östrogen… trotzdem macht es mehr Spaß, von ihnen zu lesen, als in Faith & Fire. Vor allem die Nebencharaktere sind sehr schön getroffen, vor allem der Diakon Zeyn bleibt in Erinnerung.

Man merkt an manchen Stellen freilich, dass der Autor auch im Star Trek-Universum unterwegs ist. Gerade der Charakter des „Beobachteten“ wird häufig wie ein Borg beschrieben, erinnert stellenweise frappierend an Seven of Nine aus StarTrek: Voyager.

Regeltechnisch macht es Spaß, zu lesen, wie der Autor nicht nur die neuen Codices der Sisters of Battle und der Necrons gekonnt umsetzt, sondern auch elegant die Unterschiede zu den Vorgängern erklärt.

Kurz und gut: einer der besten Romane von James Swallow und definitiv zurzeit der beste Roman zu den Sisters of Battle und den „neuen“ Necrons. Fans der Sororitas und des Adeptus Mechanicus werden bei Hammer & Anvil voll auf ihre Kosten kommen, doch vor allem die Necron-Spieler werden den Roman mögen, zeigt er doch gekonnt, warum der neue Hintergrund der Rasse ein Schritt in die richtige Richtung war.

Vorkenntnisse von „Faith & Fire“ sind übrigens nicht nötig.

 

Format: Taschenbuch

Seiten: 416

Verlag: Black Library

Preis: 6,60 Euro

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Porlock

Porlock /Ulf verstärkt seit Jänner 2012 das W6-Tabletop Team. Vor allem das Ressort "Gerüchte" wird von ihm betreut, aber daneben gibt es auch immer wieder die ein oder andere Rezension. Er ist seit Weihnachten 1988 im Tabletop-Hobby und hat mehr Figuren und Systeme als Verstand, verbringt seine Zeit aber mehr mit begeisterten Basteln, fanatischen Sammeln und sehr mäßigen Malen, als mit dem eigentlichen Spielen... Mehr dazu finden sich in seinem persönlichen, in seltsamen Englisch geführten Blog: ¡bitzkrieg!

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1 Antwort

  1. Insgesamt guter Bericht zum Roman. Fand die Beschreibung des Adeptus Mechanicus und der Necrons auch sehr gelungen. Die Mischung aus abschätziger Betrachtung der Schwestern von außerhalb und die Darlegung ihres Glaubens von innen war durchaus gut. Dein Einführungssatz zum WD Codex ist ja wohl die Untertreibung des Jahres.. Und obwohl ich nicht unbedingt zustimme was deine Einschätzung des neuen Hintergrunds der Necrons angeht, so hat der Autor definitiv das beste rausgeholt. Die Charaktere der Necron kommen nicht so grässlich lächerlich und kindlich aufgeblasen wie in Ward’s Artikeln im WD rüber. Achja, der Ward. Gottseidank hat er das Buch nicht geschrieben, sonst hätte ein fliegender Cybot den Tag gerettet. Oder ein gewisser Grey Knight hätte ein wenig C’Tan Arsch getreten, mit einem in Sororitas Blut getränkten Stiefel natürlich. Man kann ja nie genug Glauben haben.

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