Review: Renedra Ltd. Grabsteinset (Gravestone Set)

Wahrscheinlich hat jeder Tabletopper schon einmal etwas von Renedra Ltd. in Händen gehabt, zumindest wenn er (oder sie) auf Plastik und historische Miniaturen steht. Denn Renedra ist hauptsächlich eine Firma, die Spritzgußformen für Plastikbausätze herstellt. Da die meisten Hersteller von Miniaturen – mit der bekannten Ausnahme von Games Workshop, die dafür 1998 extra die ursprüngliche Firma von Renedra-Gründer  Terry Ardener übernommen haben – über keinen eigenen Gußrahmenformer verfügen, liefert Renedra die Formen für die Plastikgußrahmen so bekannter Firmen wie Mantic Games, Warlord Games oder Perry Miniatures.

Seit einigen Jahren bietet Renedra aber auch eigene Produkte an. Am Bekanntesten sind hier vielleicht die flachen, aber praktischen Bases, die z.B. von Warlord Games gerne mal bei ihren Boxen mitgeliefert werden und sicher die billigste Wahl sind, wenn man mal für ein Projekt eckige oder runde Bases braucht. Darüber hinaus bieten sie aber inzwischen auch allerlei andere „generische“ Bausätze an, z.B. Zäune, Fässer, Zelte oder auch kleine Häuser.

Wir wollen uns heute  den vielleicht bekanntesten dieser Renedra-eigenen Bausätze ansehen, das „Gravestone Set“, zu deutsch: Grabsteinset. Wie alle Bausätze von Renedra wurde auch dieser von einem auswärtigen Designer gestaltet. Hier war es Steve May from Immortal Miniatures, einer Firma für hauptsächlich antike Soldaten, die inzwischen von Warlord Games übernommen wurde.

 Geliefert wird das Set als zweckmäßige, aber schlichte Tüte, die zwei identische Gußrahmen enthält. Da gibt es wenig zu beschreiben, höchstens dass sich die Tüte, als ich die Pappe vorsichtig entfernt habe, als wiederverschließbar herausstellte. Eine nette kleine Geste, die beim Aufräumen helfen kann.

Hier die Vorderseite des Gußrahmens. Wie man sieht ist er gut bestückt. Renedra spricht von 44 Grabsteinen und zwei Raben, die man mit dem Set erwirbt – auf Einzelteile umgelegt erhält man sogar 58 Einzelteile, nicht schlecht für zwei relativ kleine Gußrahmen.

 

Ein Blick auf die Rückseite des Gußrahmens bereitet allerdings leichten Kummer, denn wenn man einmal vom Raben und dem kleinen Obelisken absieht, ist lediglich bei drei Grabsteinen die Rückseite gestaltet worden – beim Rest gibt es nur das glatte, ungestaltete Plastik. Weniger fällt da ins Gewicht (auch wortwörtlich), dass abgesehen von den genannten drei Steinen alle Teile recht dünn geraten sind.

Wie es sich für ein Produkt von Renedra gehört, ist der Guß der ganzen Teile einwandfrei geraten. Gußgrate gibt es kaum, lediglich beim Raben, beim Obelisken und den drei Steinen mit Rückseite – zugegebenermaßen auch die einzigen dickeren Elemente. Kein Ergebnis des Gusses, sondern des Designs ist dagegen, dass die Seiten – vor allem die Unterkante) der Steine und Kreuze fast durchgehend nicht plan/flach ist, sondern leicht schräg. Das ist im Geländebau eher irrelevant, da man die Steine ja sowieso mit Kleber befestigt und wahrscheinlich das Gelände drumherum mit Sand und Gras verschönert, aber es führt, wie wir noch sehen werden, zu kleineren Problemen, wenn man die „Basen“ einsetzt.

 

Was bekommt man also für sein Geld? Schauen wir uns die Elemente an, die man aus einem Gußrahmen bekommt (und man hat dann ja, wie gesagt, zwei davon). Da wären zunächst die klassischen Grabsteine. Man erhält hier 17 (also 34 insgesamt) verschiedene, darunter drei (6) massivere mit ausgestalteter Rückseite (auf dem Photo sind das die drei ganz rechts), einen (2) zerbrochenen, einen (2) schräg eingesunkenen und einen (2) Obelisken.

Der Obelisk ist neben dem Raben (s.u.) das Objekt, das als einziges Probleme macht. Ich habe das leider nicht gut photographieren können, aber nicht nur ist seine Standfläche – wie bei nahezu allen Objekten des Sets – nicht plan, sondern schräg, sondern er ist im Querschnitt auch nicht quadratisch, sondern trapezförmig. Das sieht aus der Nähe leider nicht wirklich überzeugend aus.

Abgesehen vom üblichen „RIP“ bzw. „In Memory of“ und ein paar Einzelbuchstaben sind die Inschriften übrigens nicht weiter lesbar, selbst unter der Lupe nicht.

 

Neben den Grabsteinen erhält man auch vier (8) Kreuze, von denen nur eines (ganz links) mit einer Inschrift versehen ist, also wirklich als Grabkreuz zu verwenden ist. Die anderen drei sind dagegen universell einsetzbar, insbesondere natürlich das irische/“keltische“ Kreuz ganz rechts im Bild.

 

Neben diesen eigentlichen Steinen erhält man noch sieben weitere Elemente:

  • Einen (2) Raben
  • Eine (2) steinerne Grabeinfassung
  • Zwei (4) „Basen“, passend zu allen oben abgebildeten Grabsteinen, um diesen eine andere Silhouette zu geben und damit dem Gräberfeld auch mehr Abwechslung.
  • Eine (2) Base für den Obelisken (im Bild ganz links)
  • Eine (2) zweistufige Base, um einem der Kreuze mehr Wucht zu verleihen.

 

Hier habe ich – leider ist das Photo unscharf geworden – mal ein paar Objekte mit Basen versehen. Der Einsatz der Basen für die Grabsteine wertet diese, wie ich finde, wirklich schön auf, da hätte man sich mehr gewünscht. Nicht ganz zufrieden bin ich dagegen mit den Basen für den Obelisken und das Kreuz. Bei der Kreuzbase fällt negativ ins Gewicht, dass die Kreuze im Gußrahmen sehr flach sind, eigentlich zu flach für die quadratische Standfläche. Ähnliches gilt auch für den Obelisken, der, wie gesagt, eine leicht trapezförmige Standfläche hat.

Beim Einsatz der Basen kommt es, wie oben schon angedeutet, zu leichteren Bauschwierigkeiten, weil man die schrägen Standflächen aller Steine und Kreuze zunächst einmal dafür flachschleifen muß. Das ist bei den größeren Grabsteinen kein Problem, beim Kreuz und vor allem beim Obelisken mußte ich mich dagegen schon etwas konzentrieren, um keine schiefen Steine am Ende zu haben. Das ist natürlich nur Jammern auf hohem Niveau, aber gerade weil man weiß, dass eine Firma wie Renedra die Erfahrung hat, um flache Standflächen zu gießen, ärgert man sich schon ein bisschen.

 

Die (leider ebenfalls verwackelte) Vergleichsaufnahme mit dem Raben aus Games Workshops‘ Morrs Garten zeigt, dass Steve May nicht Dave Andrews ist – sein Rabe ist deutlich steifer und puppenhafter. Freilich – einmal angemalt dürfte das kaum auffallen, der kleine ist nämlich wirklich recht winzig… trotzdem bleibt der Rabe für mich das uninteressanteste Objekt im Set.

 

Hier habe ich noch eine kleine Vergleichsaufnahme gemacht. In der oberen Reihe die Grabsteine von Renedra. In der mittleren Reihe sind links alle vier Grabsteine sowie die Abdeckplatte aus  Morrs Garten von Games Workshop.  Diese sind allesamt kleiner und dünner als die Steine von Renedra, aber auch feiner modelliert (freilich, wie immer bei GW, recht schädellastig). Ganz rechts in dieser Reihe übrigens der Urahn aller Plastikgrabsteine aus dem alten Untoten-Gußrahmen, der inzwischen nur noch bei den Gruftkönigen von Khemri zum Einsatz kommt.

Die Zinnsteine in der untersten Reihe stammen aus dem alten „Gothic Cemetery“ set von Games Workshop, das es inzwischen so nicht mehr gibt – stattdessen bietet Games Workshop ein „Friedhof Szenerie„-Set für schlappe 23,50 € an, das neben vier Steinen/Gräbern aus dem alten Set auch noch einen Stein, zwei Säulen und einen auferstehenden Untoten enthält… hier ist klar festzustellen, dass die alten Zinnsteine und -kreuze von Games Workshop von der Modellierung und Gußqualität nicht besser sind als die von Renedra, die Kreuze finde ich sogar deutlich schwächer. Lediglich der Obelisk ist besser als der in Plastik, aber er ist, wie gesagt, so leider nicht mehr erhältlich…

 

 Zum Schluß noch eine Aufnahme mit dem Vergleichsmarine. Ohne Basen sind die Grabsteine zwischen 1,7 und 3 cm hoch, die Kreuze liegen bei etwa 2,2 cm. Ein schönes Friedhofsfeld bietet also auch im realen Spielbetrieb zumindest mittelgute Deckung…

 

Mein Fazit: Das Grabsteinset von Rendra ist eine solide Investition mit nur wenigen Macken. Für 8 Pfund (im Import meistens für rund 10 € zu haben) erhält man 42 Grabsteine und -Kreuze (Renedra selbst rechnet die beiden Grabeinfassungen mit ein und kommt so auf 44), das entspricht bei 8 GBP lediglich 19 Pence pro Stein – und man erhält dazu noch 14 weitere Teile. Bei einem Preis von 10 € kommt der einzelne Grabstein auf nur rund 24 Cent. Das ist mit Abstand die billigste Markenlösung, um an einen gut ausgestatteten Friedhof zu kommen.

Denn bei diesen Preisen können die vielen anderen Anbieter nicht mithalten Beim schon genannten „Friedhof Szenerie„-Set von Games Workshop kommt jeder Grabstein auf einen Preis von 2,32 € uns Morr’s Garten enthält schlicht zu wenig Grabsteine, um es alleine dafür zu kaufen –  zumal die Bauanleitung jedem dieser Steine einen festen Platz auf den diversen Bases zuweist.

Die sehr vielen Grabsteine von Thomarillion (auch erhältlich bei Ziterdes) kommen jeweils auf rund 1,66 – 3,95 pro Stein und sind damit ebenfalls deutlich teurer, aber dafür aus Metall.

Damit gibt es eigentlich nur ein  vergleichbares Konkurrenzprodukt: das Grabsteinset von Tabletop-World aus Kroatien bietet 23 Grabsteine (und vieles mehr) für 20 €. Aber selbst hier kommt der Einzelstein, wenn wir wie bei Renedra den Preis lediglich auf die diese umbrechen, auf 87 Cent pro Stein. Freilich bei dem schönen Design und da’s Keramikguß ist…

 

Kurz und gut: wer z.B. als Spieler der Vampirfürsten oder einer Untotenhorde – oder einfach nur so, denn gestorben wird bekanntlich immer! – eine stilvolle Szenerie will, der liegt hier genau richtig, sofern er nichts gegen die vielen christlichen Kreuze hat.

Zum Schluß vielleicht noch als Anmerkung für historische Tabletop-Spieler: die Masse der Grabsteine und -Kreuze in diesem Set entspricht der Ausstattung britischer bzw. amerikanischer Friedhöfe des 17.-19. Jahrhunderts, also in etwa von der Zeit des englischen Bürgerkriegs bis zum Sezessionskrieg. Lediglich einzelne Elemente wie das irische Kreuz (das auch schon im Mittelalter einsetzbar ist) und der Obelisk (den man vor Mitte des 18. Jahrhunderts fast nicht auf Friedhöfen antrifft) sind hier spezieller.

Auf dem europäischen Festland wäre man mit diesen Grabsteinen mit wenigen Ausnahmen eher ahistorisch angesiedelt, hier wurden andere Formen bevorzugt angewandt. Freilich muß man nicht römischer als der Papst sein: im aktuellen Pike & Shotte-Regelbuch von Warlord Games sehen die Schlachtfelder von Flandern oder bei Neuburg an der Donau zufällig genauso aus wie in merry old england – warum sollte das mit einem Friedhof nicht auch gehen? Ich hätte da sicher gar kein Problem, bei mir kommen die meisten dieser Grabsteine auf einem Friedhof der Adepta Sororitas zum Einsatz und ich bin mir sicher, sie werden sich dort großartig machen!

Porlock

Porlock /Ulf verstärkt seit Jänner 2012 das W6-Tabletop Team. Vor allem das Ressort "Gerüchte" wird von ihm betreut, aber daneben gibt es auch immer wieder die ein oder andere Rezension. Er ist seit Weihnachten 1988 im Tabletop-Hobby und hat mehr Figuren und Systeme als Verstand, verbringt seine Zeit aber mehr mit begeisterten Basteln, fanatischen Sammeln und sehr mäßigen Malen, als mit dem eigentlichen Spielen... Mehr dazu finden sich in seinem persönlichen, in seltsamen Englisch geführten Blog: ¡bitzkrieg!

Das könnte Dich auch interessieren...

2 Antworten

  1. ThomasNo Gravatar sagt:

    Wunderschöne Review, sehr schön!

    ..darüber hinaus kann man eh‘ nie genug Grabsteine haben, oder?
    🙂

    • PorlockNo Gravatar sagt:

      Sowieso! Ich kaufe da meistens eh‘ alles, was mir halbwegs bezahlbar in die Finger kommt 😉 Überlege auch, mir noch ein oder zwei Päckchen von dem Renedra-Set zuzulegen, dann hätte ich genügend Kreuze für einen kleinen Bolt-Action-Soldatenfriedhof zusammen…

Kommentar verfassen