Gerüchteküche: der „Hobbit“ und die Informationspolitik von Games Workshop

Ein kleines Gerücht im Vampirfürsten-Thread auf Warseer hat inzwischen zu einer solchen Resonanz in der englischsprachigen Webszene geführt, dass wir es euch nicht vorenthalten wollen. Der Warseer-User N.I.B. postete am 22.12.2011 folgende, als Zitat gekennzeichnete Sätze:

At the Las Vegas Throne of Skulls, staff and regional reps stated the lockdown is due to one thing.

The Hobbit

That was what was stated in a Q&A they had at the end of the tournament. When GW re-upped their license to cover the new movie, they were forced to accept a one week info window. The design studio has had full access to scenes and images from the new movie. MGM does not want any info released early on the movie and required GW to demonstrate they can keep a fairly tight lid on info and images coming out of the studio. No one at GW likes it, but given how much money LotR made for them, they decided it was worth it. Any money loss due to reduced subscriptions or sales would be more than made up for with the Hobbit license.

Expect this format to stay around for at least two more years. Once the second Hobbit movie comes out, hopefully this silliness will end.

 

auf deutsch:

Auf dem Las Vegas Throne of Skulls [-Turnier, 17.-19. Juni 2011] erklärten die Mitarbeiter und die Regionalvertreter [von Games Workshop Nordamerika], dass die [Informations-]sperre nur einen grund habe:

The Hobbit

Dies erklärten sie während einer Fragerunde zum Ende der Veranstaltung. Als Games Workshop seine Lizenz [für „Der Herr der Ringe“] verlängerte, um auch den neuen Film abdecken zu können, wurden sie gezwungen,  das Zeitfenster für die Bekanntgabe [von Neuerscheinungen] auf eine Woche zu beschränken. Die Designer haben vollen Zugang zu gedrehten Szenen und Standbildern aus dem neuen Film gehabt. MGM will nicht, dass irgendwelche Informationen über den Film zu früh an die Öffentlichkeit kommen und verlangten, dass Games Workshop beweist, dass diese Informationen und Bilder, die sich im Studio befinden, geheimhalten können. Niemand bei Games Workshop mag das, aber da sie sehr viel Geld mit „Der Herr der Ringe“ verdient haben, haben sie entschieden, dass es das wert ist. Was sie an Geld aufgrund weniger [White Dwarf-]Abonnements oder Verkäufe verdienen, wird sicher mehr als ausreichend durch die Gewinne aus der Hobbit-Lizent ausgeglichen werden.

Erwartet also, dass diese Informationspolitik mindestens noch zwei Jahre anhält. Sobald der zweite Hobbit-Film angelaufen ist, wird dieser Unsinn dann hoffentlich enden.

Den meisten Kommentatoren in den diversen Foren und Seiten scheint das durchaus eine plausible Erklärung zu sein, meistens gefolgt von diversen Ausfällen gegen das „Herr der Ringe“-Spiel, gegen Games Workshop und langen Diskussionen, ob die Lizenz der Firma wirklich soviel Geld eingebracht hat/einbringen wird, wie gesagt wurde.

 

Persönlich muß ich freilich sagen, dass ich nicht daran glaube. Games Workshop hat ja während der ganzen Periode rund um die drei „Herr der Ringe“-Filme gezeigt, dass sie die exklusiven Infos, die sie von den Produktionen vorab bekamen, gut unter Verschluß halten konnten –  mir ist keine Information und kein Bildmaterial zu den Filmen bekannt geworden, das seinen Weg vorab aus Nottingham gefunden hätte (und als Fan des Buches habe ich damals ganz schön genau aufgepasst, wollte ja möglichst früh wissen, welche Verschlimmbesserungen dem Werk in den Filmen angetan wurden, damit ich mich dann im Kino nicht zu sehr ärgere). Aus dem Blickwinkel der Filmfirma wäre es ja auch dumm, eine so genaue Klausel in den Lizenzvertrag zu schreiben, statt eine deftige Vertragsstrafe für den Fall, dass da was nach draußen gelangt, was nicht vorab bekannt werden sollte, einzuschreiben (und ziemlich sicher haben sie genau das getan).

Auch wundert es seltsam an, dass eine solche „offizielle“ Aussage erst Monate nach dem „Throne of Skulls“-Turnier ins Netz gelangt – zumal die Nachrichtensperre erst im Herbst einsetzte, also nach dem Turnier – und dass derjenige, der es gesagt haben soll, nicht namentlich genannt wird, normalerweise gelangen solche Informationen fast sofort ins Netz… abgesehen davon, dass Games Workshop seine Linzenz für den „Herrn“ wie für den „Hobbit“ von der „© The Saul Zaentz Company d/b/a Middle-earth Enterprises“ hat, wie es auch auf der GW-Startseite zu lesen ist. MGM hat damit direkt nichts zu tun.

Das Ganze scheint also noch nicht einmal ein Gerücht zu sein, sondern lediglich die Wunschträumerei eines Warseer-Benutzers. Bezeichnenderweise wird das Gerücht auf manchen Seiten dann dem „God of Pie“, dem Warseer-Benutzer „Harry“ zugeschrieben, der als einer der verlässlichsten Gerüchtedealer gilt. Das macht das Ganze aber nicht richtiger. Games Workshops neue Informationspolitik bleibt wohl „nur“ ein Marketingexperiment, das zwar nicht fein ist, aber an das man sich eigentlich ganz gut gewöhnen kann. Es gibt wichtigeres im Hobby – im Leben sowieso…

 

Quellen: Warseer, Faeit 212, Bell of Lost Souls

Porlock

Porlock /Ulf verstärkt seit Jänner 2012 das W6-Tabletop Team. Vor allem das Ressort "Gerüchte" wird von ihm betreut, aber daneben gibt es auch immer wieder die ein oder andere Rezension. Er ist seit Weihnachten 1988 im Tabletop-Hobby und hat mehr Figuren und Systeme als Verstand, verbringt seine Zeit aber mehr mit begeisterten Basteln, fanatischen Sammeln und sehr mäßigen Malen, als mit dem eigentlichen Spielen... Mehr dazu finden sich in seinem persönlichen, in seltsamen Englisch geführten Blog: ¡bitzkrieg!

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